Geheimnisvolle Leuchtpunkte überm Jupiter überraschen die Wissenschaftler

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Wer oder was ist verantwortlich für die Jupitermond IO Vorläufer? WISSEN DER ZUKUNFT berichtet darüber.

Jupiter-Mond Io
IO-Vorläufer

(idw). Wissenschaftler aus Köln und Lüttich (Belgien) haben mit Hilfe des Hubble Weltraumteleskops spektakuläre Leuchtpunkte im Jupiterpolarlicht beobachten können. Starke Plasmawellen elektrisch geladener Teilchen, die vom Jupitermond lo erzeugt werden, strömen in die Jupiteratmosphäre und bringen sie damit zum Leuchten. Am Fuß der gestörten Magnetfeldlinie an Jupiters Polen ist dieses Phänomen als Leuchtpunkt zu erkennen. Um eine vergleichbare Intensität zu erreichen, wären hundert irdische Kraftwerke nötig.
“Frühere Beobachtungen zeigen einen hellen Punkt in der Jupiteratmosphäre bei der Position Ios, den sogenannten Io-Fußpunkt”, erklärt Prof. Joachim Saur vom Institut für Geophysik und Meteorologie der Universität zu Köln. “Häufig erkennt man noch weitere, schwächere Leuchtpunkte hinter dem ersten Fußpunkt. Sie sind sozusagen ein Echo des Hauptpunktes.”
Nun wurden überraschenderweise weitere, allerdings weitaus schwächere Lichtpunkte an einem Ort gesichtet, wo nach den bisherigen Theorien keine existieren dürften - denn diese Lichtpunkte sind kein Echo, sondern eilen Io sogar voraus. Mit Hilfe von aufwendigen Computersimulationen, die vom Promotionsstudenten Sven Jacobsen von der Universität zu Köln durchgeführt wurden, konnten in der Vergangenheit wichtige Eigenschaften der Leuchtpunkte erklärt werden. Die Entdeckung der lo-Vorläufer macht allerdings deutlich, dass dieses Bild noch nicht vollständig gewesen ist.

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Geheimnisvoller Planet X im Kuiper-Gürtel

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Bild: NASA

Bild: JPL-Caltech, NASA

Hamburg (ots) - Beherbergt unser Sonnensystem einen weiteren vollwertigen Planeten? Wie das Magazin GEO in seiner Juni-Ausgabe berichtet, weisen unerklärliche Abweichungen in der Flugbahn kleinerer Himmelskörper im Kuiper-Gürtel auf die Existenz einer solchen Masse hin. Der Astronom Sofia Lykawka von der Kobe-Universität in Japan vermutet den unbekannten Planeten jenseits von Neptun - in etwa der 120- bis 160-fachen Distanz wie jener zwischen Sonne und Erde. Damit wäre der “Planet X” rund drei- bis viermal so weit von der Sonne entfernt wie Pluto, der vor etwa zwei Jahren seinen Status als vollwertiger Planet eingebüßt hat und seither als “Kleinplanet” geführt wird. Sollte es den unbekannten “Vollplaneten” tatsächlich geben, besäße er etwa die Hälfte der Masse der Erde. Lykawkas Theorie zufolge hätte sich das Objekt ursprünglich zwischen Uranus und Neptun gebildet, wäre aber durch starke Gravitationskräfte seiner Nachbarn weit an den Rand des Sonnensystems geschleudert worden. Und zwar abseits der Ebene, in der die übrigen acht Planeten die Sonne umkreisen. Was erklären würde, weshalb der “Planet X” bislang nicht entdeckt worden sei.

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Nanotechnologie: Durchbruch bei winzigen molekularen Maschinen!

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Abbildung: Wie eine Erbsenschote - metallorganische Moleküle eingesperrt in Kohlenstoff-Nanoröhrchen. M. Ashino, Universität Hamburg
Wie eine Erbsenschote - metallorganische Moleküle eingesperrt in Kohlenstoff-Nanoröhrchen.(idw). Wie die renommierte britische Fachzeitschrift “Nature Nanotechnology” in ihrer Online-Ausgabe vom 25. Mai 2008 berichtet, gelang es Forschern von der Universität Hamburg mit Hilfe eines Rasterkraftmikroskops die Bewegung von Molekülen, die in anderen größeren Molekülen eingesperrt sind, zu messen und zu kontrollieren. Diese herausragenden Forschungsergebnisse eröffnen völlig neuartige Wege für die Entwicklung von nanomechanischen Geräten, wie zum Beispiel molekulare Nano-Transporter.
Seit der Mensch den ersten Blick in den Nanokosmos warf, stand die Idee im Raum, diese winzige Welt der Atome und Moleküle gezielt zu manipulieren und molekulare Maschinen zu entwickeln, die selbständig beliebige Materialien und komplexe Systeme aus einzelnen Atomen und Molekülen aufbauen können. Immer wieder liest man von medizinischen Zukunftsvisionen, wie z. B. von Nano-Robotern, die durch den Blutkreislauf patrouillieren und gefährliche Viren aufspüren und bekämpfen. Den Nanokosmos können die Wissenschaftler inzwischen zwar mit aufwendigen Verfahren und großen Geräten gezielt Atom für Atom kontrollieren, aber molekulare Nano-Maschinen sind noch immer im Bereich der Science-Fiction angesiedelt. Nichtsdestotrotz wird an verschiedenen Antriebssystemen für solche Nano-Maschinen intensiv geforscht.Einen völlig neuen Ansatz eröffnen die Arbeiten der beiden Forscher Dr. Makoto Ashino und Prof. Dr. Roland Wiesendanger von der Universität Hamburg, die in dieser Woche von der Fachzeitschrift “Nature Nanotechnology” veröffentlicht wurden. Zusammen mit einem internationalen Team aus Wissenschaftlern vom Max Planck Institut für Festkörperforschung, der Technischen Universität von Eindhoven, der Universität Nottingham und der Universität Hong Kong fanden die Hamburger Forscher neue Möglichkeiten der Messung der Kräfte, die Moleküle innerhalb von anderen Molekülen bewegen.

Für ihre Experimente sperrten die Forscher metallorganische Moleküle in Kohlenstoff-Nanoröhrchen ein. Die dabei entstehende Struktur kann man sich wie eine Erbsenschote vorstellen (Abb. 1). Die so vorbereiteten Moleküle innerhalb von Nanoröhrchen wurden auf einer isolierenden Oberfläche platziert und mit Hilfe der berührungslosen Rasterkraftmikroskopie untersucht.

Ein Rasterkraftmikroskop arbeitet nicht mit Licht, wie ein herkömmliches Lichtmikroskop, sondern es funktioniert ähnlich wie ein Plattenspieler. An einem mikroskopisch kleinen Federbalken befindet sich eine atomar scharfe Spitze, die über eine Oberfläche gerastert wird. Die Auslenkung des Federbalkens wird mit Hilfe eines Laserstrahls bestimmt und aus den daraus resultierenden Daten am Computer eine dreidimensionale Abbildung der Oberfläche erzeugt. Im berührungslosen Modus eines Rasterkraftmikroskops schwingt der Federbalken über der Oberfläche, ohne dass die Spitze diese berührt.

Neben der Untersuchung der Oberflächentopographie der “Erbsenschote” ermittelten die Wissenschaftler auch gleichzeitig die Energie, die der vibrierenden Spitze des Rasterkraftmikroskops verloren ging, während sie über die Oberfläche der Struktur bewegt wurde. Dadurch konnten die Hamburger Wissenschaftler erstmalig die Kräfte, die die kleinen metallorganischen Moleküle innerhalb der Kohlenstoff-Nanoröhrchen bewegen, messen und sogar gezielt kontrollieren. Dies stellt einen entscheidenden Durchbruch in der Erforschung von molekularen Maschinen und molekularen Transportern dar, die für die weitere Entwicklung der Nanotechnologie eine hohe Bedeutung haben.

Weitere Informationen:

http://www.nanoscience.de

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Was wollte der tote Pharao mit seiner Eselsherde?

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Ein sensationeller Fund in einem ägyptischen Königsgrab bringt Wissenschaftlern neue Erkenntnisse.

Esel vor Pyramide
Foto: diffendale
(idw). Es war eine prunkvolle letzte Ruhestätte für die bescheidenen Grautiere: Angrenzend an den Grabkomplex eines frühen Pharaos in Abydos in Mittelägypten wurden die Skelette in eigenen Grabkammern gefunden. Er ist vielleicht nicht so treu wie der Hund oder so rassig wie das Pferd. Der Esel begleitet den Menschen aber auch schon seit Tausenden von Jahren und leistet dabei wertvolle Dienste. Ein internationales Forscherteam, dem auch Professor Joris Peters, Vorstand des Instituts für Paläoanatomie und Geschichte der Tiermedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, angehört, konnte jetzt die Domestikationsgeschichte dieser Spezies anhand von etwa 5.000 Jahre alten Eselsknochen aus dem Alten Ägypten nachvollziehen.

“Grundsätzlich ist eine Ansammlung von zehn Eselskeletten in einem solch frühen Kontext bisher einmalig”, berichtet Peters. “Die Anbindung an den Königsfriedhof der Gründerdynastie in Altägypten vor etwa 5.000 Jahren bezeugt die Bedeutung der Tiere für den König. Denn diese Eselherde sollte ihm in seinem nächsten Leben weiterhin gute Dienste leisten, so die Interpretation aus Sicht unserer Ägyptologen.” Als erste Besonderheit fiel den Forschern auf, dass es sich um die Knochen recht stattlicher Tiere handelte, die ohne den Kontext des Pharaonengrabes möglicherweise als Überreste von Wildeseln gedeutet worden wären. Für den Status als Haustier spricht aber, dass die Skelette spezifische pathologisch-anatomische Veränderungen an bestimmten Körperstellen aufweisen. Konkret bedeutet dies, dass diese Schäden wohl von der Nutzung der Esel als Lasttiere herrühren.

Der Mensch begann vor etwa 11.000 Jahren mit der Domestikation von Pflanzen und Tieren. Der Esel ist dabei ein besonders spannendes Beispiel, weil er möglicherweise mehrmals in derselben geografischen Region, in Nordostafrika, domestiziert wurde. Zudem war bislang sehr wenig über den Ablauf seiner Haustierwerdung bekannt. “Bemerkenswert ist auch, dass der Esel als vormaliger Fleischlieferant sehr schnell nach erfolgter Domestikation für Handel und Transport eingesetzt wurde - bis dann sehr viel später das Dromedar wichtiger wurde”, so Peters. Doch zuerst hat noch die Nutzbarmachung des Esels die ländlichen Gesellschaften und frühen Staaten verändert: Die Tiere sind zähe Wüstenbewohner und können schwere Lasten durch trockenes Gebiet tragen. Das wiederum erlaubte den Hirtenvölkern, häufiger als bisher noch längere Strecken zurückzulegen und dabei ihren Haushalt mit den Herden zu transportieren. “Die Nutzung des Esels dehnte den Handel in Afrika und im westlichen Asien merklich aus”, meint Peters.

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Wie die Uhrwerkhemmung zu einem gewaltigen Innovationsschub führte

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Die Geburtsstunde des neuen Zeitalters. WISSEN DER ZUKUNFT berichtet :

Kirchturmuhr
Prof. Dohrn-van Rossum mit einem alten Uhrwerk, das einst vermutlich eine Kirchturmuhr in Hannover antrieb und später als technisch veraltet in einer Dorfkirche landete. Der Professor bewahrte es vor der Verschrottung.

(idw). Sie ist so wichtig wie das Rad, die Dampfmaschine oder das Feuermachen: die Uhrwerkhemmung, erfunden um 1270. Erst sie machte es möglich, die Zeit genau zu messen - damit wurde sie zur Geburtshelferin der modernen Gesellschaft mit all ihren Vor- und Nachteilen. Wie der Mensch auf die Zeit kam, das erforscht seit Jahren der Chemnitzer Historiker Prof. Gerhard Dohrn-van Rossum.

Ohne sie würden wir Verabredungen verpassen und zu spät zur Arbeit kommen. Flugzeuge würden ohne uns starten und Züge ohne uns abfahren. Auch die Tagesschau müßte auf uns als Zuschauer verzichten, und mit dem morgendlichen Aufstehen wäre es noch schlimmer als ohnehin schon. Gemeint ist natürlich die Uhr, die “Schlüsselmaschine der Neuzeit”, die “wichtiger als die Dampfmaschine” sei, so der amerikanische Techniksoziologe Lewis Mumford schon 1934. Wie keine andere Erfindung ordnet und regelt sie unser Leben. Und oft genug fühlen wir uns auch von ihr bevormundet.

Wie die Uhr vom späten Mittelalter an unser Leben bestimmte, wie die Teilung des Tages in 24 gleich lange Stunden erfunden wurde und welche Folgen dies für den Lauf der Geschichte hatte, das erforscht der Chemnitzer Historiker Prof. Gerhard Dohrn-van Rossum seit Jahren. Und er hat darüber auch ein Buch verfaßt: “Die Geschichte der Stunde - Uhren und moderne Zeitordnungen”, das mittlerweile auch in Französisch und Englisch vorliegt. Eine japanische Übersetzung ist gerade in Arbeit. Wenn das Buch eines Wissenschaftlers derart beachtet wird, dann spricht das für sich. Tatsächlich erlaubt das Werk einen Blick in das späte Mittelalter und die frühe Neuzeit, wie wir sie so nicht kennen.

Für die Menschen früherer Epochen spielte die Zeitmessung keine Rolle - sie standen auf, wenn es hell wurde und gingen bei Dunkelheit zu Bett. Immerhin gab es schon eine künstliche Beleuchtung, etwa in Form von Kienspänen, Öllampen oder Kerzen, aber die waren für den normalen Bürger ohnehin zu teuer. Die Arbeit wurde meist nach Tagen bezahlt. Zwar konnten auch schon die alten Griechen und Römer die Zeit messen: Sie benutzten dazu Sonnen- oder Wasseruhren. Die aber waren schwierig zu bauen, noch schwieriger zu regulieren. Deshalb waren sie recht ungenau und hatten besonders in Mitteleuropa ihre Nachteile. Auch die Einteilung des Tages in 2 mal 12 Stunden war schon in der Antike bekannt. Dazu wurden der Tag und die Nacht jeweils in zwölf etwa gleich lange Abschnitte geteilt, was schon schwierig genug war. Die Nacht begann, wenn die Sonne unterging, der Tag bei ihrem Aufgang. Als Folge davon waren die Tag- und die Nachtstunden je nach Jahreszeit unterschiedlich lang. Dieser Effekt verstärkte sich noch, je weiter man nach Norden kam.

Für eine Menschengruppe allerdings war es wichtig, die genaue Zeit zu kennen: die mittelalterlichen Mönche, die ihre Gebetsstunden einhalten mußten. Tagsüber war das kein Problem, doch war auch ein Gebet um Mitternacht vorgeschrieben, und dieser Zeitpunkt war
schwierig zu bestimmen. Zwar versuchten die Mönche, die antiken Wasseruhren zu verbessern, freilich mit mäßigem Erfolg. Also behalfen sie sich, etwa mit genau abgewogenen Kerzen, die außen Zeitmarkierungen oder auch Nägel trugen, die beim Abbrennen der Kerze mit einem Geräusch zu Boden fielen.

Doch die Lage änderte sich schlagartig gegen Ende des 13. Jahrhunderts. Wer genau die zündende Idee hatte, die letztendlich die Welt verändern sollte, verliert sich im Dunkel der Zeiten - vermutlich wurde sie in einem Kloster geboren, und ebenso vermutlich gleich mehrfach und unabhängig voneinander. Die Grundprinzipien des mechanischen Uhrwerks waren schon in der Antike bekannt: Der Antrieb durch ein Gewicht an einem Seil, Zahnräder zur Übersetzung und ein Anzeigewerk, das beispielsweise einen Zeiger bewegen konnte. Solche Zeigerwerke hatte man auch schon mit Wasseruhren oder anderen Instrumenten verbunden. Mit einem Gewichtsantrieb über eine Welle konnte man zwar einen Mechanismus in Gang setzen, er hatte aber einen Nachteil - er ließ sich nicht regulieren. Einmal in Gang gesetzt, fällt das Gewicht immer schneller, der Bewegungsablauf läßt sich nicht mehr aufhalten. Was fehlte, war mithin eine Vorrichtung, die solch eine Regulierung des Fallens des Gewichts ermöglicht, die Uhrwerkhemmung. Dabei ist auf der Welle mit dem Gewicht ein Zahnrad montiert, in das in regelmäßigen Abständen abwechselnd zwei auf einer Spindel angebrachte, rechtwinklig zueinander stehende Metallzungen, die Spindellappen, eingreifen. Die Spindel selbst, die in ihrer einfachsten Form oben einen Waagbalken mit zwei Regulierungsgewichten trägt, schwingt dabei hin und her. Der Zug des Gewichts verursacht immer dann, wenn einer der Spindellappen das Zahnrad freigibt, einen kurzen Vorwärtsruck: Das ist das Ticken der Uhr.

Uhrwerkhemmung Diese Hemmung kann kaum hoch genug eingeschätzt werden. Sie muß zwischen 1271 und etwa 1300 erfunden worden sein. 1271 nämlich hatte der an der Pariser Universität lehrende Engländer Robertus Anglicus in einem Kommentar zu einem Astronomielehrbuch geschrieben: “Die Macher von Uhrwerken arbeiten an einem Mechanismus, der sich einmal am Tag dreht, aber sie haben es bisher noch nicht geschafft” - zu diesem Zeitpunkt existierte die Hemmung also noch nicht. Andererseits sind uns Berichte von Chronisten überliefert, die um 1300 solche Hemmungen bezeugen. Etwa ab 1330 werden dann auch die ersten Schlagwerke erwähnt.

Mit der Erfindung der Uhrwerkhemmung bricht ein neues Zeitalter an. Die Zeit wird in gleichmäßige Abschnitte eingeteilt, die “Stunde” im heute gebräuchlichen Sinne also gleich mit erfunden. In den folgenden hundert Jahren (so lange etwa dauerte es auch später bei der Dampfmaschine) breiten sich die mechanischen Uhrwerke in ganz Europa aus, zunächst in den reichen Klöstern, den großen Kathedralen, an den Herrscherhöfen. Doch der Bau ist für die damaligen Verhältnisse extrem aufwendig, zudem verschleißen die aus Weicheisen hergestellten Zahnräder schnell und die Wartung ist teuer. In Bologna etwa murren die Bürger, als ihnen für den Uhrwerksbau eine Sondersteuer auferlegt wird. Dennoch schließen sich aus Prestigegründen die großen deutschen und französischen Städte an, bis 1400 folgen auch die kleineren. Anfangs dienen die Uhrwerke meist nicht zur Zeitmessung, sie treiben vielmehr Glocken- und Figurenspiele an. Die Kirchen zum Beispiel wollen mit ihnen Neugierige anlocken, die die Mechanik und damit die Schöpfung bewundern sollen.

Die Folgen der Erfindung gehen freilich weit darüber hinaus: Galten die Europäer bisher als primitiv und zurückgeblieben, waren die islamischen Länder und China technisch am weitesten fortgeschritten, so geht der Vorsprung nun auf Europa über. Den Menschen wird plötzlich bewußt, was in den zwei, drei Jahrhunderten zuvor schon alles erfunden wurde, ohne daß sie es groß bemerkt hätten - die Windmühle etwa, das Zaumzeug oder die Sporen. Daß es die früher nicht gab, wußte man, weil sie bei den antiken Schriftstellern nicht erwähnt wurden. Das schafft ein Gefühl für den eigenen Wert. Damit wird plötzlich auch die Person des Erfinders, sein geistiges Eigentum, anerkannt - folglich nennt und bewahrt man auch seinen Namen. Mit anderen Worten: Man erfindet die Idee des Individuums. Das ist neu, das hat es weder in anderen Kulturen noch vorher in Europa gegeben. In China, im Islam, im Frühmittelalter waren Erfinder noch namenlos. Allenfalls hieß es da “unter der Regierung des Kalifen Harun Ar Raschid”, oder es wird der Name eines kaiserlichen Beamten genannt, der gar nicht der eigentliche Urheber war. Wer die Windmühle oder das Spinnrad erfand, beide seit etwa 1200 in Europa verbreitet - wir wissen es nicht. Der erste Brillenschleifer, nur hundert Jahre später, ist dagegen bekannt.

Mit der Anerkennung des Erfinders und der geistigen Leistung ändert sich auch die Einstellung gegenüber Innovationen. Galt noch im frühen Mittelalter alles Neue als schlecht, als des Teufels - schließlich kamen Uhren in der Bibel nicht vor - so setzte sich nun der Gedanke durch, daß, was neu ist, auch gut ist. Diese Haltung führt ab 1330 zu einem gewaltigen Innovationsschub - an allen Ecken und Enden wird plötzlich Neues erfunden. Die Menschen spürten: Es gibt so etwas wie den Fortschritt, wir können unsere eigenen Probleme lösen. Dieses Gefühl hielt bis in die Vorkriegszeit, ja bis zum Club of Rome an - der allgemeine Technikpessimismus ist, von Splittergruppen abgesehen, jüngeren Datums.

Mit der Zeit wandelten sich die Figuren- und Glockenspiele der Anfangsjahre immer mehr zu “richtigen” Uhren. Der öffentliche Stundenschlag von der Rathausuhr auf dem Marktplatz regelte jetzt das Leben. Damit bürgen sich auch feste Zeiten für allerlei Verrichtungen ein. Ratssitzungen beispielsweise konnten auf feste Stunden angesetzt werden, wer zu spät kam, mußte eine Geldstrafe zahlen. Vorher dauerten solche Sitzungen oft sehr lange und konnten dadurch die Existenz der Ratsherren, die oft Handwerker waren, gefährden. In den Schulen tauchen die ersten Stundenpläne auf, zu Ende des 14. Jahrhunderts gibt es in Hamburg die ersten Verordnungen über Beginn und Ende der Arbeit - das Wort “Arbeitszeit” hingegen erscheint erst nach 1800 in unserer Sprache. Damit gibt es auch erstmals so etwas wie Freizeit - die wird erst dadurch möglich, daß sich die Arbeitszeit messen läßt. Zeiteinheit ist dabei immer die Stunde, allenfalls die Viertelstunde. Erst mit den Eisenbahnen gelangt um die Mitte des 19. Jahrhunderts auch die Minute ins Bewußtsein der Menschen. Die Sekunde muß sogar bis an den Rand des 20. Jahrhunderts warten, als die Zeitungen anfangen, über Sportereignisse zu berichten. Etwa ab 1880 sind auch “normale” Menschen, etwa der kleine Handwerker, nicht mehr auf öffentliche Uhren angewiesen: Uhren werden nicht mehr in Handarbeit, sondern als industrielles Massenprodukt hergestellt.

Sogar vor der Folter machte die neue Zeitrechnung nicht halt: Lagen nämlich keine Beweise, sondern lediglich Indizien vor, konnte ein Angeklagter nur nach einem Geständnis verurteilt werden. Dieses sollte durch die Folter erzwungen werden, die von sadistischen Richtern teilweise exzessiv angewandt wurde. Doch Bedenken dagegen gab es auch damals. Man löste sie zunächst, indem man je nach Schwere des Verbrechens verschiedene Grade der Folter einführte. Nun kam eine zeitliche Befristung hinzu, die meist mit einer Sanduhr kontrolliert wurde - freilich galt dies nicht für Hexenprozesse. Der mutmaßliche Täter durfte die Uhr aber nicht sehen, damit er das Ende nicht abschätzen konnte. Es ist verbürgt, daß Angeschuldigte damals ihre Richter fragten: “He! Wie lange läuft die Uhr noch?”

Diese Beispiele haben eines gemeinsam, so Prof. Dohrn-van Rossum: Sie ersetzen eine Sachdiskussion durch eine formale Diskussion. “Dadurch werden zwar die Probleme nicht lösbar, aber immerhin verhandelbar”, so der Wissenschaftler. Inhaltlich könne man über manche Probleme nicht diskutieren, das sei aber möglich, wenn man sie in Zeitprobleme verwandle. Stundenpläne etwa klären nicht, welches Fach das wichtigere ist, sondern weisen statt dessen jedem Fach eine feste Zeitspanne zu. Ein Untersuchungsausschuß kann einen Sachverhalt zwar meist auch nicht aufhellen, er macht aber deutlich: Wir nehmen uns Zeit für ein Problem. Mit Hilfe der Zeit und ihrer Messung lernen die Europäer seit dem Spätmittelalter, wie man organisiert - andere Kulturen haben ein solches Zeitgefühl nicht entwickelt.

(Autor: Hubert J. Gieß)

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Biobenzin: Ist Benzin aus Biomasse eine neue spannende Perspektive?

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Was ist besser: Biobenzin oder Ethanol? WISSEN DER ZUKUNFT berichtet über das Wunderwelt Wissen und eine neue Perspektive.

Video: Terri Clark “A Little Gasoline”

Hamburg (ptx) - Shell und Virent Energy Systems, Inc., (Virent) aus Madison in Wisconsin, USA, haben ein gemeinsames Forschungs- und Entwicklungsvorhaben angekündigt, das zum Ziel hat, pflanzlichen Zucker statt in Ethanol direkt in fertiges Benzin oder Benzinkomponenten umzuwandeln.
Die Zusammenarbeit hat das Potential, die Verfügbarkeit neuer Biokraftstoffe deutlich zu verbessern. Denn das neue Biobenzin kann dem herkömmlichen Ottokraftstoff in hohen Mischungsanteilen beigegeben werden. Eine spezialisierte Infrastruktur, neue Motortechnik und die erforderlichen Anlagen zur Beimischung würden dadurch überflüssig. Die Technologie der BioForming-Plattform von Virent wandelt pflanzliche Zucker mit Hilfe von Katalysatoren in Kohlenwasserstoffmoleküle um, wie sie auch in einer Erdölraffinerie erzeugt werden. Bisher wurden pflanzliche Zucker zu Ethanol fermentiert und destilliert. Die neuen “Biobenzin”-Moleküle haben einen höheren Energieinhalt als Ethanol (oder Butanol) und bieten eine bessere Kraftstoffeffizienz. Sie lassen sich zu herkömmlichem Benzin mischen, das sich nicht von Benzin auf Erdölbasis unterscheidet, oder können mit ethanolhaltigem Benzin kombiniert werden.

Zur Gewinnung der Zucker eignen sich neben Weizen, Mais und Zuckerrohr auch Reststoffe/Bioabfälle wie Maisstroh, Stroh und Zuckerrohrbagasse. Shell und Virent haben bereits ein Jahr lang gemeinsam geforscht. Mit der BioForming- Technologie wurden schnelle Fortschritte erzielt und die gesteckten Ziele für Ertrag, Produktzusammensetzung und Kosten übertroffen. In Zukunft soll vor allem die Technologie weiter verbessert und zur kommerziellen Produktion größerer Mengen tauglich gemacht werden.

“Die technischen Eigenschaften der heutigen Biokraftstoffe erschweren ihre Einführung auf breiter Front”, so Dr. Graeme Sweeney, Shell Executive Vice President Future Fuels and CO2.

“Die Autoindustrie und Kraftstoffanbieter sind zwar im Begriff, die Vertriebsinfrastruktur und die Automotoren an die heutigen Biokraftstoffe anzupassen, aber die jetzt aufkommenden neuen Kraftstoffe wie die von Virent, die dieselben Eigenschaften wie Benzin und Diesel aufweisen oder diesen sogar überlegen sind, geben eine neue Perspektive, was ich sehr spannend finde.”

Dr. Randy Cortright, Chief Technology Officer, Mitbegründer und geschäftsführender Vizepräsident von Virent: “Virent hat bewiesen, dass sich pflanzlicher Zucker in dieselben Kohlenwasserstoff-Komponenten umwandeln läßt, die in den heutigen Benzinmischungen verwendet werden. Unsere Produkte sind Benzin auf Erdölbasis in Funktionalität und Leistung ebenbürtig. Der einzigartige Katalyseprozess von Virent erzeugt Biobenzin aus unterschiedlichen Biomasse-Rohstoffen zu wettbewerbsfähigen Kosten. Die Ergebnisse, die uns heute vorliegen, rechtfertigen eine beschleunigte Kommerzialisierung dieser Technologie.”

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